Was zieht man einem Leichnam an?
Die Wahl der letzten Kleidung für einen würdevollen Abschied
Wer vor dem geöffneten Kleiderschrank eines geliebten Menschen steht, spürt oft die immense Schwere des Augenblicks. Der Duft nach vertrautem Parfum hängt noch in den weichen Maschen der Pullover und weckt unzählige Erinnerungen. Nun gilt es, die passende Garderobe für die allerletzte Reise auszuwählen. In der professionellen Fachsprache der Bestatter wird dieser intime Vorgang als Ausstattung bezeichnet. Dieser emotionale Schritt verlangt Angehörigen viel ab, bietet aber gleichzeitig die wunderbare Chance auf eine letzte liebevolle Fürsorge. Strenge gesetzliche Vorschriften existieren hierfür kaum, doch bewährte Richtlinien spenden Trost und räumen praktische Hürden aus dem Weg.
Natürlichkeit und Bequemlichkeit als oberstes Gebot
Die wichtigste Grundregel lautet, dass die Garderobe den Charakter des Menschen widerspiegeln und gleichzeitig überaus praktisch sein sollte. Da die menschlichen Muskeln nach dem Tod erschlaffen oder sich im späteren Verlauf versteifen, sind weite und bequeme Schnitte von großem Vorteil. Enge Hosen aus festem Denim oder starre Anzüge lassen sich nur schwer anlegen und wirken bei der Aufbahrung oft unnatürlich. Erfahrene Bestatter raten daher dringend zu weichen Stoffen.
Materialien wie reine Baumwolle, feines Leinen, warme Wolle oder edle Seide sind optisch ansprechend und erfüllen zudem einen wichtigen Zweck. Diese Naturfasern sind atmungsaktiv und verbrennen bei einer Feuerbestattung absolut umweltfreundlich. Reine synthetische Stoffe wie Polyester oder Nylon sollten hingegen zwingend im Schrank verbleiben. Sie schmelzen bei großer Hitze, entwickeln rußende Gase und belasten die modernen Filteranlagen der Krematorien enorm.
Die passende Garderobe von Kopf bis Fuß
Würdevolle Unterwäsche und bequeme Oberteile
Die Wahrung der Würde steht im absoluten Zentrum jeder Bestattung. Daher wird dem Leichnam fast immer Unterwäsche angezogen. Ein schlichtes Hemdchen aus reiner Baumwolle oder ein weiches Nachtgewand erweisen sich als ideal. Bei Frauen wird oft auf Büstenhalter mit harten Metallbügeln verzichtet, da diese bei bestimmten Bestattungsformen störend wirken.
Für den Oberkörper erweist sich ein Hemd oder eine Bluse mit durchgehender Knopfleiste als besonders hilfreich. Kleidungsstücke, die mühsam über den Kopf gezogen werden müssen, erschweren die Arbeit der Fachkräfte. Wenn der Verstorbene zu Lebzeiten gerne warme Strickjacken trug, ist dies eine wunderbare Wahl, um ein vertrautes Bild zu schaffen. Ein formeller Anzug ist nur dann ratsam, wenn es der ausdrückliche Wunsch war oder eine repräsentative Aufbahrung am offenen Sarg geplant ist.
Beinkleider und das Schuhwerk
Bei der Wahl der Hosen oder Röcke sind weiche Materialien ebenfalls zu bevorzugen. Eine elegante Stoffhose oder ein bequemes Kleid aus hochwertigem Gewebe erleichtern den Prozess des Einkleidens ungemein. Schwere Hosen mit dicken Nähten oder Nieten sind weniger geeignet.
Ein viel diskutiertes Thema sind die Schuhe. Warme Socken oder feine Strümpfe gehören zum Standard und werden fast immer angezogen. Bei den Schuhen scheiden sich jedoch die Geister. Einige Familien entscheiden sich für weiche Hausschuhe oder leichte Stoffschläppchen. Sehr viele Bestatter empfehlen jedoch, gänzlich auf festes Schuhwerk zu verzichten, da Schuhe im Sarg schnell verrutschen und die friedliche Haltung stören können. Wer dennoch geliebte Schuhe mitgeben möchte, sollte auf leichte Modelle ohne dicke Gummisohlen achten.
Strenge Vorgaben für die Einäscherung
Die Wahl der Bestattungsart beeinflusst die Kleiderfrage maßgeblich. Wenn eine Kremation vorgesehen ist, gelten besonders strenge Regeln bezüglich metallischer Gegenstände und synthetischer Fasern. Reißverschlüsse, ausladende Knöpfe oder massive Gürtelschnallen haben im Sarg absolut nichts zu suchen. Um höchste Sicherheit zu gewährleisten, greifen viele Institute auf spezielle Kremsäcke oder schlichte Leinenhemden zurück. Diese können diskret unter der eigenen Kleidung getragen werden.
Auch medizinische Hilfsmittel erfordern Aufmerksamkeit. Während Zahnprothesen meist an ihrem Platz bleiben, um die natürlichen Gesichtszüge zu wahren, müssen Brillen und Hörgeräte abgenommen werden.
Ein Spiegelbild des gelebten Lebens
Der Abschied am offenen Sarg ist ein Moment, der sich tief in das Gedächtnis der Hinterbliebenen einbrennt. Daher lautet der wertvollste Rat der Trauerbegleiter, den Menschen exakt so zu kleiden, wie er im Leben war. Trug die Mutter am liebsten bunte Sommerkleider, so darf sie diese auch auf ihrer letzten Reise tragen. Das früher allgegenwärtige Schwarz ist längst nicht mehr verpflichtend. Farben sind ausdrücklich erlaubt und können überaus tröstlich wirken.
Manche Familien wählen ganz bewusst die Lieblingsfarbe des Verstorbenen für das letzte Hemd. Zudem empfiehlt es sich, bereits getragene und geliebte Kleidungsstücke auszuwählen. Ein oft gewaschener, weicher Pullover wirkt wesentlich vertrauter und natürlicher als ein nagelneues, steifes Kleidungsstück direkt aus dem Geschäft.
Die respektvolle Arbeit der Bestatter
Die eigentliche Aufgabe des Einkleidens übernehmen in der Regel die professionellen Bestatter in ihren speziell eingerichteten Räumlichkeiten. Dieser würdevolle Arbeitsschritt fällt unter den Fachbegriff der hygienischen Versorgung. Angehörige dürfen auf Wunsch bei diesem Vorgang anwesend sein oder sogar mithelfen.
Da die direkte Konfrontation mit dem leblosen Körper jedoch emotional extrem belastend sein kann, entscheiden sich die meisten Familien dafür, die ausgewählte Garderobe vertrauensvoll in die Hände der Fachleute zu geben.Diese bereiten den Verstorbenen mit größtem Respekt und viel handwerklichem Geschick für die Aufbahrung vor. Wer sich bei der Auswahl der Stücke unsicher ist, findet in den erfahrenen Bestattern stets einfühlsame Ratgeber, die genau wissen, was im Sarg ein friedliches Bild erzeugt und bei der Bestattung keinerlei Probleme bereitet.
Praktischer Hinweis
Informieren Sie sich einfach und direkt hier auf Friedhof.City und nutzen Sie unsere Suchfunktion oder kontaktieren Sie einen lokalen Bestatter.
